A medical case report header from the International Journal of Infectious Diseases (IJID). On the left, a hand is shown grasping an arm. The text to the right features the title: "Post-Infectious Guillain–Barré Syndrome During a Cholera Outbreak in Yemen: A Paediatric Case with Confirmed Campylobacter Exposure". Below the title, the authors' names and the IJID journal cover logo are visible.
12.01.2026

Cholera und das Guillain-Barré-Syndrom: Wenn Epidemien eine autoimmune Neuropathie auslösen

In Regionen, die von wiederkehrenden Choleraausbrüchen betroffen sind, können sich überlappende Infektionskrankheiten der Diagnose postinfektiöser Autoimmunerkrankungen entgegenstellen. Kürzlich haben wir an einer Publikation mitgewirkt, die einen pädiatrischen Fall aus dem Jemen beschreibt und veranschaulicht, wie sich das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) im Rahmen eines Choleraausbruchs entwickeln kann. Dabei wird die entscheidende Rolle einer Campylobacter-jejuni-Infektion sowie der Testung auf Anti-Gangliosid-Antikörper hervorgehoben 1.

Guillain–Barré-Syndrom als postinfektiöse Komplikation

Das Guillain–Barré-Syndrom ist eine akute, immunvermittelte Polyradikuloneuropathie und weltweit eine der häufigsten Ursachen akuter schlaffer Lähmungen. Am häufigsten wird es durch gastrointestinale Infektionen ausgelöst, insbesondere durch C. jejuni (siehe auch den Ausbruch des Guillain-Barré-Syndroms in Pune, Indien).

Die Symptome beginnen typischerweise mit Sensibilitätsstörungen und einer progredienten Schwäche der Extremitäten und können sich ohne adäquate Behandlung bis hin zu einem respiratorischen Versagen entwickeln. Mortalität und langfristige Behinderungen hängen maßgeblich von der frühzeitigen Diagnosestellung, dem Zugang zu intensivmedizinischer Versorgung sowie von einer rechtzeitigen Immuntherapie, etwa mit intravenösen Immunglobulinen (IVIG), ab.

Fallkontext: Guillain–Barré-Syndrom während eines Choleraausbruchs im Jemen

Der berichtete Fall betraf einen 12-jährigen Jungen, der nach einer akuten wässrigen Diarrhö, vereinbar mit Cholera, eine rasch progrediente Lähmung entwickelte. Der epidemiologische Kontext – ein aktiver Choleraausbruch im ländlichen Süden des Jemen – erschwerte zunächst den diagnostischen Ablauf.

Trotz begrenzter lokaler Ressourcen stützten Nervenleitungsuntersuchungen und die Analyse des Liquor cerebrospinalis die Diagnose eines Guillain–Barré-Syndroms. Medipan und GA Generic Assays waren an einer internationalen Laborkooperation beteiligt, die eine weiterführende serologische Diagnostik ermöglichte. Diese Untersuchungen bestätigten eine vorausgegangene Exposition gegenüber C. jejuni sowie eine ausgeprägte Positivität für Anti-GD1b-IgG-Antikörper.

Campylobacter jejuni, molekulare Mimikry und Anti-Gangliosid-Antikörper

Der Zusammenhang zwischen C. jejuni und dem Guillain–Barré-Syndrom (GBS) wird einem als molekulare Mimikry bezeichneten Prozess zugeschrieben. Dabei weisen bakterielle Lipooligosaccharide eine strukturelle Ähnlichkeit mit neuronalen Gangliosiden auf, was zur Bildung kreuzreaktiver Autoantikörper führt. Anti-Gangliosid-Antikörper – wie Anti-GD1b, GM1 und GD1a – sind zentrale Biomarker einer immunvermittelten Nervenschädigung.

Auch mehrere andere Erreger werden mit der Entstehung des GBS in Verbindung gebracht, vermutlich über einen ähnlichen Mechanismus. Dazu zählen Mycoplasma pneumoniae, das Cytomegalievirus, das Epstein–Barr-Virus, das Hepatitis-A-Virus, die Influenza-A- und -B-Viren sowie neu auftretende Infektionserreger wie das Zika-Virus und SARS-CoV-2 2.

Klinische Implikationen bei Cholera und Guillain–Barré-Syndrom

Das pathogene Bakterium Vibrio cholerae, der Erreger der tödlichen Erkrankung Cholera, ist nicht dafür bekannt, das Guillain–Barré-Syndrom (GBS) direkt auszulösen. Allerdings können gleichzeitig auftretende enterische Infektionen während Choleraausbrüchen die Immunantwort modulieren und das Risiko für autoimmune neurologische Komplikationen erhöhen. Dieser Fall unterstreicht mehrere zentrale Aspekte:

  • Das Guillain–Barré-Syndrom sollte während Choleraausbrüchen in Betracht gezogen werden, wenn akute neurologische Symptome auftreten.
  • Die Testung auf Anti-Gangliosid-Antikörper liefert eine wertvolle immunologische Bestätigung.
  • Eine frühzeitige Behandlung mit intravenösen Immunglobulinen (IVIG) sowie Rehabilitation verbessern die Prognose deutlich.
  • Internationale diagnostische Zusammenarbeit kann lokale Ressourcenengpässe überwinden.

In der Studie verwendete Produkte

Kits für den DotDiver2.050381 – DotDiver Anti-Gangliosid IgGLinien-Immunoassay zur Bestimmung von IgG-Antikörpern gegen Ganglioside (GM1, GM2, GM3, GM4, GD1a, GD1b, GD2, GD3, GT1a, GT1b and GQ1b)
50391 – DotDiver Anti-Gangliosid IgM
50301 – DotDiver Anti-Gangliosid Screen
Instrument5075 – DotDiver2.0Immunoblot-Analyzer zur automatisierten Prozessierung und Auswertung von LINE & Dot immunoblots

Weitere Produkte im Zusammenhang mit Gangliosiden

Kit für die manuelle Verarbeitung mit visueller oder softwaregestützter Auswertung (i.e. 5100 – BlotGAlaxy5003 – Anti-Gangliosid DotLinienimmunassay zur Bestimmung von IgG- und/oder IgM-Antikörpern gegen Ganglioside (GM1, GM2, GM3, GM4, GD1a, GD1b, GD2, GD3, GT1a, GT1b und GQ1b)

Literaturverweise:

  1. Nasser et al., (2025) Post-Infectious GBS During a Cholera Outbreak in Yemen-A Paediatric Case with Confirmed Campylobacter Exposure ↩︎
  2. Koike et al., (2021) Emerging Infection, Vaccination, and Guillain-Barré Syndrome: A Review ↩︎