Autoimmunity 2026: Zentrale Innovationen in der Autoimmundiagnostik, KI und Standardisierung
Der Kongress Autoimmunity 2026 in Prag präsentierte bahnbrechende Fortschritte in der Diagnose, Behandlung und Forschung von Autoimmunerkrankungen. Die Erkenntnisse des Kongresses zur Autoimmundiagnostik zeigen zentrale Entwicklungen in den Bereichen Biomarker, KI-gestützte Diagnostik und standardisierte Testmethoden.
Für Medipan & GA Generic Assays lag der Fokus insbesondere auf Innovationen, die für die Entwicklung diagnostischer Lösungen der nächsten Generation entscheidend sind. Wir freuen uns, zu diesem Erfolg beigetragen zu haben und unsere innovativen Lösungen an unserem Stand präsentiert zu haben.
In diesem Beitrag analysieren unsere Vertreter auf dem Kongress die wichtigsten Beiträge und heben deren Potenzial hervor, die Autoimmundiagnostik zu transformieren und das therapeutische Monitoring zu verbessern.
🔬 Zentrale Erkenntnisse vom Autoimmunity 2026 Kongress
1. KI in der Autoimmundiagnostik: Ein Game-Changer
KI und Machine Learning verändern das Management von Autoimmunerkrankungen grundlegend, indem sie immunogenetische, serologische und weitere Daten in prädiktive Algorithmen integrieren.
Automatisierte ANA-Musterinterpretation (Rico Hiemann):
Das KI-basierte System (akiron® NEO) wurde mit der klassischen visuellen Interpretation in zwei klinischen Laboren verglichen.12

Die Ergebnisse zeigten:
- Gute bis sehr gute Übereinstimmung (κ = 0,58–0,80) bei der Klassifikation ANA-positiv/negativ (Cutoff ≥ 1:80)
- Moderate bis gute Übereinstimmung (κ = 0,54–0,80) bei der Mustererkennung nach ICAP-Klassifikation
Fazit: KI-gestützte Analysen können diagnostische Arbeitsabläufe vereinfachen und die Subjektivität bei der ANA-Interpretation reduzieren.
2. ICAP: Standardisierung der ANA-Musterinterpretation

Die International Consensus on ANA Patterns (ICAP) war ein wiederkehrendes Thema und betonte die Notwendigkeit standardisierter ANA-Testverfahren zur Reduktion falsch-positiver Ergebnisse und zur Verbesserung der diagnostischen Genauigkeit. ICAP fördert harmonisierte Nomenklatur- und Interpretationsrichtlinien für HEp-2-IFA-Ergebnisse. Luis Andrade berichtete über die neu eingeführten Muster AC-30 (fein gesprenkeltes nukleäres Muster mit Färbung der Metaphasenplatte) und AC-31 (viele kleine, diskrete Punkte im Zellkern)
Neue Muster in Bewertung (Jan Damoiseaux):
- AC-XX: Eine Sammelkategorie für HEp-2-IFA-Muster, die derzeit noch nicht durch ICAP definiert sind. Sobald diese Muster hinsichtlich ihrer Antigenspezifität und klinischen Relevanz besser charakterisiert sind, können sie möglicherweise in den ICAP-Klassifikationsbaum aufgenommen werden.
- Derzeit in Bewertung befindliche Muster:
- SG2NA-ähnliches Muster
- Nukleäres Matrixmuster
- MDA5-ähnliche Muster
Standardisierte Terminologie für SSA/Ro-Autoantikörper (Maria Infantino):
- Ein neuer internationaler Expertenkonsens empfiehlt eine aktualisierte und standardisierte Terminologie für die historisch uneinheitlich verwendeten SSA/Ro-Autoantikörper. Diese beiden Autoantikörper richten sich gegen unterschiedliche Antigene und sind mit verschiedenen klinischen Merkmalen und Erkrankungen assoziiert.Die neue Nomenklatur zielt darauf ab, die wissenschaftliche Klarheit, die diagnostische Präzision sowie die Konsistenz in Forschung und klinischer Praxis zu verbessern3.
- Nach einer systematischen Auswertung wissenschaftlicher Publikationen sowie einem Konsensprozess gelten nun folgende bevorzugte Bezeichnungen:
- anti-TROVE2/Ro60 (ehemals SSA/Ro60)
- anti-TRIM21/Ro52 (ehemals SSA/Ro52)
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Kompetente vs. Expertenklassifikation in der Praxis (Maria Infantino):
- ICAP definiert 32 HEp-2-IFA-Muster, die in einem Klassifikationsbaum mit Kompetenz– und Expertenstufen (competent and expert level) organisiert sind.
- Die Klassifikation hängt jedoch typischerweise stärker von Bildmerkmalen ab (z. B. Proben mit niedrigen Titern und schwächerer Fluoreszenz) als von der Erfahrung des Analytikers. Zudem besteht weltweit eine Tendenz, Expertenkategorien übermäßig zu verwenden, möglicherweise aufgrund kognitiver Verzerrungen.
- Aus diesem Grund erwägt ICAP alternative Begriffe (z. B. „Basis vs. verfeinert“ oder „breit vs. fein“), um die Bildkomplexität besser abzubilden und weniger die Expertise des Anwenders in den Vordergrund zu stellen.
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3. Krankheitsbezogene Fortschritte: APS, Vaskulitis und mehr
Der Kongress hob therapeutische Innovationen sowie die Notwendigkeit von Companion Diagnostics zur Optimierung der Therapiewahl hervor.
APS: Klinische und labordiagnostische Entwicklung (Angela Tincani):

- Die 2023 veröffentlichten ACR/EULAR-Klassifikationskriterien4 for APS introduce new clinical and laboratory features, such as thrombocytopenia, cardiac valve disease, and microvascular manifestations (e.g., aPL nephropathy, livedo racemosa, pulmonary hemorrhage). für APS4 führen neue klinische und laborbasierte Merkmale ein, darunter Thrombozytopenie, Herzklappenerkrankungen sowie mikroangiopathische Manifestationen (z. B. aPL-Nephropathie, Livedo racemosa, pulmonale Hämorrhagie).
- Das Konzept des „High-Risk“-Status kann klinisch missverständlich sein, da Patienten mit mehreren thrombotischen Risikofaktoren unabhängig von der Gewichtung der Kriterien eine engmaschige Überwachung benötigen.
- Laborbezogene Herausforderungen: Die Kriterien schreiben ELISA-Verfahren für aPL-Tests vor. Moderne Labore nutzen jedoch zunehmend automatisierte Plattformen, was zu Ergebnisvariabilität führen kann.
Auswirkungen der 2023 ACR/EULAR-Kriterien auf APS (Jaume Alijotas Reig):
- Die neuen Kriterien priorisieren Spezifität (99 %) gegenüber Sensitivität (84 %), wodurch Patienten mit aPL-assoziierten Manifestationen möglicherweise nicht klassifiziert werden.
- Geburtshilfliche Aspekte:
- Das Scoring-System bewertet wiederholte frühe und fetale Verluste zu gering, wodurch eine ausreichende Punktezahl für die APS-Klassifikation oft nicht erreicht wird.
- Gesunde Frauen mit persistierenden aPL, die schwere Präeklampsie, HELLP-Syndrom oder Eklampsie nach der 34. Schwangerschaftswoche entwickeln, werden nicht berücksichtigt
- Laboraspekte:
- Das IgM-Isotyp der aPL wird nur niedrig bewertet (1 Punkt), obwohl er bei 15–20 % der Patientinnen mit thrombotischen und geburtshilflichen Ereignissen assoziiert ist.
- ELISA wird verpflichtend gefordert, obwohl unterschiedliche Methoden und Grenzwerte zu abweichenden Ergebnissen führen. Die Verwendung des 99. Perzentils als Cut-off wird zur besseren Standardisierung vorgeschlagen.
- Geburtshilfliche Aspekte:
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Medikamenteninduzierte ANCA-assoziierte Vaskulitis (Jan Willem Cohen Tervaert):
- Bestimmte Medikamente (z. B. Hydralazin, Propylthiouracil, Immun-Checkpoint-Inhibitoren, Kokain) können die Bildung neutrophiler extrazellulärer Fallen (NETs) fördern und dadurch Autoimmunreaktionen auslösen. Dies führt zu sehr unterschiedlichen klinischen Manifestationen, von isolierter kutaner Vaskulitis bis hin zu Multiorganbeteiligung.5
- Diagnostische Hinweise:
- Leukopenie/Neutropenie sowie erniedrigte Komplementwerte (C3/C4) sprechen für eine medikamenteninduzierte AAV.
- Atypische oder perinukleäre (p-ANCA) Muster treten häufig auf und sind oft mit mehreren ANCA-Antigenen assoziiert.
- Prognose: In der Regel günstiger als bei idiopathischer AAV, dennoch ist eine sorgfältige Beachtung medikamentöser Auslöser entscheidend.
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4. Biomarkers: The Future of Precision Medicine
Autoimmunerkrankungen sind komplex und heterogen, was eine frühe Diagnose und eine personalisierte Therapie erschwert. Der Kongress unterstrich die Bedeutung neuer Biomarker zur Verbesserung der diagnostischen Genauigkeit sowie zur Vorhersage des Krankheitsverlaufs.
DFS70-Autoantigen und inflammatorische Genexpression (Carlos Casiano):

- DFS70 (auch LEDGF) wird von Autoantikörpern sowohl bei gesunden Personen als auch bei Patienten mit moderaten entzündlichen Erkrankungen erkannt, was auf eine potenziell schützende Rolle hindeutet.
- Bei Krebs trägt eine hohe DFS70-Expression zur Therapieresistenz bei, indem sie die DNA-Reparatur fördert und die genomische Integrität erhält.
- Die Stilllegung von DFS70 in Tumorzellen führte zu einer Hochregulation von IL-18, einem Zytokin, das mit entzündlichem Zelltod im Tumor assoziiert ist. Gleichzeitig war eine hohe DFS70-Expression mit einer schlechteren Überlebensrate verbunden.
- DFS70 könnte entzündungsfördernde Gene negativ regulieren und dadurch die Immunantwort von Krebspatienten auf Immuntherapien abschwächen. Dies deutet auf einen Zusammenhang zwischen seiner entzündungshemmenden Funktion und der potenziell schützenden Rolle von Anti-DFS70-Autoantikörpern hin.
Der Nachweis von Anti-DFS70-Antikörpern ist mit unseren Produkten möglich. Erfahren Sie hier mehr.
Prädiktive und krankheitsspezifische Biomarker (Luis Andrade):
- Genetische Marker (z. B. HLA-B27, HLA-DQ2/8) verbessern die Einschätzung von Krankheitswahrscheinlichkeit und Prognose.
- Zytokine (IL-6, IL-17, IL-23) sowie nicht-kodierende RNAs (miRNAs) entwickeln sich zu wichtigen prädiktiven Biomarkern.
- Autoantikörper (z. B. anti-dsDNA, anti-CCP) können klinischen Symptomen um Jahre vorausgehen und ermöglichen frühe Interventionen.
- Die Interferon-Signatur bei SLE sagt das Ansprechen auf JAK-Inhibitoren voraus.
- KL-6, CCL18 und NT-proBNP helfen bei der Vorhersage von Organbeteiligung und Krankheitsprogression.

💡 Ausblick auf Autoimmunity 2028 in Barcelona
Mit dem Abschluss unserer Eindrücke vom Autoimmunity 2026 Kongress in Prag richtet sich der Blick bereits auf die Zukunft. Die nächste Etappe dieser spannenden Reise findet 2028 in Barcelona6, statt, wo weitere bedeutende Fortschritte in der Autoimmunforschung, Diagnostik und Therapie erwartet werden.
Die in Prag gewonnenen Erkenntnisse, Kooperationen und Innovationen bilden eine wichtige Grundlage für die kommenden Entwicklungen. Wir sind gespannt, wie die Diskussionen und Ergebnisse dieses Jahres die nächste Generation der Autoimmundiagnostik und -therapien prägen werden.
Literatur
- Mayr et al., (2025) Pilot Study of AI-Assisted ANA Immunofluorescence Reading—Comparison with Classical Visual Interpretation ↩︎
- Schmidt et al., (2025) Comparison of manual with AI-aided interpretation of ANA HEp-2 IIF assay patterns in a clinical diagnostics lab ↩︎
- Nikolic et al., (2026) International expert consensus recommendations on standardised nomenclature of SSA/Ro (TROVE2/Ro60 and TRIM21/Ro52) autoantibodies in autoimmune diseases Author links open overlay panel ↩︎
- Barbhaiya, et al. (2024). The 2023 ACR/EULAR Antiphospholipid Syndrome Classification Criteria ↩︎
- Tervaert, et al. (2025), Drug- and vaccine induced ANCA-associated vasculitis: An overview ↩︎
- 15th International Congress on Autoimmunity, 27-30 April, Barcelona, Spain ↩︎