Anti–Faktor-H-Autoantikörper und ELISA-Testung: Optimierung der Diagnostik beim atypischen hämolytisch-urämischen Syndrom (aHUS)
Das atypische hämolytisch-urämische Syndrom (aHUS), auch als komplementvermittelte thrombotische Mikroangiopathie (CM-TMA) bezeichnet, ist eine seltene, jedoch lebensbedrohliche Erkrankung, die durch eine Dysregulation des alternativen Komplementwegs verursacht wird. Unter den bekannten Ätiologien spielen Autoantikörper gegen den Komplementfaktor H (Anti-Faktor-H-Autoantikörper) eine entscheidende Rolle und sind für etwa 10 % der Fälle verantwortlich1. Der zuverlässige labordiagnostische Nachweis dieser Antikörper ist von zentraler Bedeutung, da er unmittelbaren Einfluss auf Diagnosestellung, Prognoseeinschätzung und therapeutische Strategien hat.

Warum die Testung auf Anti-Faktor-H-Antikörper klinisch relevant ist
Patientinnen und Patienten mit Anti-Faktor-H-Antikörpern profitieren häufig von gezielten immunsuppressiven Therapien, wie Kortikosteroiden oder Rituximab, zusätzlich zum Plasmaaustausch. Eine frühzeitige und zuverlässige Identifizierung von Anti-Faktor-H-Immunglobulin G (IgG) ist daher entscheidend, um irreversible Organschäden, insbesondere ein Nierenversagen, zu verhindern. Der ELISA-Test gilt als Referenzmethode zum Nachweis und zur Quantifizierung von Anti-Faktor-H-Antikörpern in klinischen Laboren.
Die zunehmende Verfügbarkeit kommerzieller Testkits wirft jedoch wichtige Fragen hinsichtlich der Vergleichbarkeit der Assays, ihrer Sensitivität, Spezifität und Standardisierung auf.
Vergleich von ELISA-Assays zum Nachweis von Anti-Faktor-H-Autoantikörpern
Eine kürzlich in Kanada durchgeführte Studie verglich drei ELISA-Methoden zum Nachweis von Anti-Faktor-H-Antikörpern2:

- einen validierten In-house-ELISA auf Grundlage des Pariser Protokolls,
- einen kommerziellen ELISA der Firma GA Generic Assays sowie
- einen zweiten kommerziell verfügbaren ELISA-Testkit.
Insgesamt wurden 75 Plasmaproben von Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf aHUS parallel untersucht. Die Studie bewertete die qualitative Übereinstimmung, die quantitative Korrelation sowie die analytische Leistungsfähigkeit unter routinemäßigen diagnostischen Bedingungen.
Zentrale Ergebnisse: Sensitivität, Spezifität und Übereinstimmung
Alle Assays zeigten eine gute Leistungsfähigkeit bei der Identifizierung negativer Proben. Bei positiven Proben sowie bei der Quantifizierung der Antikörper traten jedoch Unterschiede auf:
- Der ELISA von GA Generic Assays zeigte die höchste Übereinstimmung mit der In-house-Referenzmethode. Er wies eine gute Sensitivität sowie eine starke quantitative Korrelation und Reproduzierbarkeit auf.
- Der zweite kommerzielle Assay zeigte eine größere Variabilität, insbesondere bei hohen Antikörpertitern, und tendierte dazu, die Konzentrationen von Anti-Faktor-H-Antikörpern zu unterschätzen.
- Die ausschließliche Anwendung der vom Hersteller definierten Cut-off-Werte erhöhte das Risiko falsch-negativer Ergebnisse. Dagegen führte eine Anpassung der Positivitätsgrenzen anhand laborinterner gesunder Kontrollkollektive (z. B. Mittelwert + 2 Standardabweichungen) zu einer deutlich verbesserten diagnostischen Sensitivität bei nur minimalem Verlust an Spezifität.
Diese Ergebnisse bestätigen, dass ELISA-Assays zum Nachweis von Anti-Faktor-H-Antikörpern nicht ohne Weiteres austauschbar sind, insbesondere im Rahmen des Patientenmonitorings und der longitudinalen Verlaufskontrolle.
Praktische Implikationen für diagnostische Laboratorien
Die Studie hebt mehrere bewährte Vorgehensweisen für Laboratorien hervor, die Anti-Faktor-H-Antikörpertestungen durchführen:
- Verwendung optimierter Cut-off-Werte, die an die untersuchte Population angepasst sind, wie auch in der Norm ISO 15189 für die Akkreditierung medizinischer Laboratorien empfohlen3.
- Einbeziehung individueller Leerwert-/Blankkontrollen zur Reduktion falsch-positiver Ergebnisse durch unspezifische Bindungen.
- Bei klinischer Relevanz Bestätigung positiver Befunde durch eine zweite ELISA-Methode zur Absicherung therapeutischer Entscheidungen.
- Berücksichtigung der Tatsache, dass ELISA-Assays ausschließlich frei zirkulierende Antikörper erfassen und somit immunkomplexgebundene Anti-Faktor-H-Antikörper potenziell nicht detektiert werden
Fazit

Der zuverlässige Nachweis von Anti-Faktor-H-Autoantikörpern ist für die moderne Diagnostik des atypischen hämolytisch-urämischen Syndroms (aHUS) von entscheidender Bedeutung. Zwar bieten kommerzielle ELISA-Kits zugängliche und standardisierte Lösungen, ihre analytische Leistungsfähigkeit variiert jedoch. Die Evidenz unterstützt den Einsatz gut validierter ELISA-Assays, wie beispielsweise Anti-Faktor H von GA Generic Assays, in Verbindung mit einer sorgfältigen Ergebnisinterpretation und laborindividueller Validierung.
Die Optimierung der ELISA-Testung auf Anti-Faktor-H-Antikörper kann zu einer frühzeitigeren Diagnosestellung, präziseren Therapieentscheidungen und verbesserten klinischen Ergebnissen für Patientinnen und Patienten mit aHUS und verwandten Komplementerkrankungen führen.
In der Studie verwendetes Produkt
| 4067 – Anti-Faktor H | ELISA zum quantitativen Nachweis von IgG-Antikörpern gegen den Komplementfaktor H |
Literaturverweis
- Marie-Agnès Dragon-Durey et al., (2010)_Clinical features of anti-factor H autoantibody-associated hemolytic uremic syndrome ↩︎
- Thouzeau-Benghezal et al., (2025)_Comparison of 3 ELISA Assays for the Detection and Quantification of Abs anti-Complement Factor H ↩︎
- International Organization for Standardization. ISO 15189:2012 (E) Medical laboratories – Requirements for quality and competence ↩︎